Von Ölgötzen und Sündenböcken

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Hans Hermann Prenzel Von Ölgötzen und Sündenböcken Mehr als 175 aktuelle Ausdrücke und... mehr
"Von Ölgötzen und Sündenböcken"

Hans Hermann Prenzel
Von Ölgötzen und Sündenböcken
Mehr als 175 aktuelle Ausdrücke und Redewendungen unserer Sprache, hergeleitet aus ihren biblischen Fundstellen

Dritte vebesserte und erweiterte Auflage

248 Seiten 13,5 x 21 cm gebunden Lesebändchen
ISBN 978-3-87062-108-7


Die Bibel und unsere Sprache: Vielleicht wissen wir gar nicht mehr, dass wir immerfort die Bibel zitieren, wenn wir unsere Hände in Unschuld waschen oder unser Scherflein beisteuern.

So hat sich die Bibel sozusagen durch eine Hintertür in unseren Alltagswortschatz eingeschlichen.

Dieses Buch erläutert mehr als 150 aktuelle Ausdrücke und Redewendungen, die aus der Bibel hergeleitet werden, und bietet damit überraschende Einblicke für sprachlich und theologisch Interessierte.


Leseprobe:

25. Sein Scherflein beisteuern

"Wir haben auch unser Scherflein beigesteuert", sagt der Generaldirektor in aller Bescheidenheit, nachdem seine Firma für ein städtisches Kindergarten-Projekt Euro 50.000,- (steuerlich voll absetzbar) gespendet hat.
"Das von unserem Kirchenkreis betreute Krankenhaus in Tansania braucht dringend medizinische Geräte", tönt es von der Kanzel. "Wir wollen alle unser Scherflein beisteuern." Und der Kirchgänger XY legt für diesen guten Zweck ein 2-Euro-Stück in den Klingelbeutel.
Wieviel war denn damals, zur Zeit Jesu, - und damit kommen wir zur biblischen Fundstelle - ein Scherflein tatsächlich wert?
Sehr wenig. Es handelt sich nämlich um das Scherflein der Witwe (Lukas 21,2-4), das sie in ihrem kindlichen Gottvertrauen in den Gotteskasten (den Opferkasten des Tempels) einlegt, nämlich alles, was sie an Geldeswert besitzt.
Luther nennt die kleinste jüdische Münze (Perutah) Scherflein, nach der seinerzeit in Erfurt geprägten geringsten Münze, dem "Scharf", "Scherf" (von "scharven" = Einschnitte machen), vorher schon die Bezeichnung für eine Münze mit gezacktem Rand - und bewirkt damit die Verbreitung und das Fortleben dieses Zahlungsbegriffes.
Genau zitiert, spendet die Witwe zwei Kupfermünzen, also zwei Scherflein, deren Gesamtwert Luther an anderer Stelle (Markus 12,42) mit einem "Heller" (s.u.) berechnet, was heute etwa einem 5-Cent-Stück entspricht.
Halten wir Übereinstimmung und Abweichung unserer Redensart gegenüber dem biblischen Ursprung fest: Heutzutage steuert ein Scherflein bei, wer eine gute Sache mit einer - wie obige moderne Beispiele zeigen - mehr oder weniger großen "Kleinigkeit" unterstützt, allerdings ohne sich, ganz im Gegensatz zur biblischen Witwe, bis zum finanziellen Ruin zu verausgaben.-
Nun zum (bereits erwähnten) Heller:

26. Bis auf den letzten Heller

Wie das Scherflein gebrauchen wir auch den Heller in unserem bildhaften Sprachschatz, um damit recht Geringwertiges auszudrücken, z.B. keinen roten (= kupfernen) Heller wert sein, (englisch: not worth a brass farthing = ¼ penny), auf Heller und Pfennig genau (d.h. auch nicht der kleinste Betrag fehlt) usw.
Zu Namen und Herkunft des Hellers: Er wurde seit dem 13. Jahrhundert in Schwäbisch-Hall geprägt, daher zunächst "Haller", "Häller" (vgl. Taler von Joachimstal).
In der Lutherbibel - wieder einmal die Ausgangsstelle - (Matthäus 5,26) muss ein Schuldner seine gesamten Schulden bis auf den letzten Heller (Zürcher Bibel: Rappen) bezahlen (berappen), um aus dem Schuldgefängnis entlassen zu werden. In späteren Übersetzungen heißt es: bis auf den letzten Pfennig. Beides verquickt und damit betont: bis auf Heller und Pfennig.
Schließlich noch des Hellers Fortexistenz in einem Trinklied: Ein Heller und ein Batzen, die waren beide mein. Hier kredenzt der Wirt für einen Heller - o Schande - ein Glas Wasser. (Der höherwertige Batzen dagegen ward zu Wein.)

 

 

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