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Drei Liter für Hitler

Marieluise Winkenbach
Drei Liter für Hitler
Eine Jugend im Zweiten Weltkrieg

13,5 x 21 cm, gebunden, Lesebändchen
ISBN 978-3-87062-091-2


Die Kindheit der anfangs neunjährigen Elisabeth im sogenannten Dritten Reich ist das Thema dieses spannenden Buches. Man lebte zunächst am Rande des Schreckens im "normalen" Umfeld einer zusehends moralisch entfesselten Welt.

Leseprobe:

Die Mutter muß eine Uniform für Elisabeth kaufen: eine weiße Bluse, die in der Taille Knöpfe hat. Daran wird ein enger blauer Rock geknöpft, damit beim Marschieren nichts verrutscht. Um den Hals legt man ein schwarzes Dreieckstuch, das vorne durch einen Lederknoten gezogen wird. Zur Uniform gehört dann noch eine braune »Kletterweste« – eine Jacke aus braunem, samtartigem Stoff mit vielen Taschen. Am Ärmel ist ein schwarzes Dreieck aus Stoff befestigt, darauf ist der Anfangsbuchstabe des Bezirkes eingestickt, in dem das Jungmädel dem Führer dient.
Wegen dieser Uniform gibt es also Streit mit der Mutter. Sie hat nämlich keinen Sinn für die Uniform:
»Du hast doch einen schönen blauen Faltenrock, der ist viel hübscher als ein enger Rock. Außerdem ist er praktischer beim Klettern und Springen. Ich kann überhaupt nicht einsehen, warum ich einen anderen kaufen soll.«
Elisabeth weint vor Schmach und Ärger: »Ich bin bestimmt das einzige Kind, das im Faltenrock durch die Stadt marschiert. Die anderen lachen mich ja aus!« Hans mischt sich in die Debatte. Er hat seit einem Jahr Latein in der Schule. »Uniform: das kommt von lateinisch unus – einer, ein einziger, und forma, das heißt Form, was soviel bedeutet wie eine Form für alle. Also muß auch Elisabeth wie alle anderen gekleidet sein, sonst durchbricht sie das Prinzip der Uniform.«
Hans hilft, wie immer in kritischen Situationen, seiner kleinen Schwester, und die Mutter zeigt sich auch beeindruckt von seiner gelehrten Rede, aber dennoch vertritt sie weiterhin den Standpunkt: »Diese Abweichung von der Norm ist so lächerlich gering, dass es nur ein kleines bisschen Selbstbewusstsein braucht, um im Faltenrock in Reih und Glied zu gehen.« »Alle haben einen engen Rock, wirklich alle«, schluchzt Elisabeth. »Wir sind aber nicht alle«, erwidert die Mutter – und dabei bleibt es.
Elisabeth wird also – im Faltenrock – einer sogenannten Schar von fünfzehn Jungmädels zugeordnet. Die Führerin dieser Schar heißt Magdalene und trägt als Ausweis ihrer Befehlsgewalt eine rot-weiße Kordel am Knoten befestigt. Sie ist ein Jahr älter als Elisabeth, blond und kräftig. Sie hat dicke Zöpfe, kann turnen und singen und schwärmt für Adolf Hitler. Natürlich hat auch sie ihn noch nicht leibhaftig gesehen, wie alle anderen.



Anzahl:   Ex.

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